X.III.05: Netzwerke als Überlebensstrategien peripherisierter Regionen

Regionale Netzwerke und erneuerbare Energien

Im Rahmen des Excellenzclusters: Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke beschäftigen sich die Soziologin Sabine Kratz und die Dipl.- Kauffrau Angelika Wiehler unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Bernd Hamm mit der Frage ob Netzwerkbildungen geeignete Strategien sind, nachhaltige Entwicklung auf regionaler Ebene zu fördern und sie so dazu beitragen, periphere Regionen langfristig zu stabilisieren. Die vorerst bis 12/07 angelegte Untersuchung will dieser Frage am Beispiel von Netzwerken im Bereich regenerativer Energien in der Großregion Trier und in Luxemburg nachgehen. Gegebenenfalls werden noch Regionen aus dem Saarland mit berücksichtigt.

Wenn weltweit eine nachhaltige Entwicklung herbeigeführt werden soll, müssen die Gesellschaften die Art und Weise, in der sie produzieren und konsumieren, grundlegend ändern. Dies trifft in besonderem Maße den Bereich Energie.
Die reale Ölpreisentwicklung zeigt, dass wir uns am Beginn der dritten Energiepreiskrise befinden. Als Hauptgrund für diese Entwicklung werden Engpässe bei den Erdölförderungs- und Raffineriekapazitäten genannt. Hinzu kommen die anstehenden (Umwelt)Problematiken, welche im Zusammenhang mit der Umwandlung und dem Verbrauch von Energie stehen. Dies führt zu einer Diskussion um Maßnahmen zur Bewältigung der damit verbundenen Anforderungen. Zentrale Ansatzpunkte zur Lösung obiger Problematiken sind die Steigerung der Energieeffizienz, und allgemeiner, die Entwicklung von nachhaltigen Energie- und Gesellschaftssystemen. Die Energiepolitik auf Basis erneuerbarer Energie wird immer mehr auch ein zentraler Teil sozialökologischer Regionalpolitik. Sie stärkt regionale Kreisläufe, bringt regionale Einkommen und Arbeitsplätze, verbessert die 'regionale' Handelsbilanz, regt Innovation und regionales 'empowerment' an, leistet einen Beitrag zum globalen Klimaschutz und verbessert die regionale Umweltsituation.
In Deutschland existieren mittlerweile etliche regionale Netzwerke im Bereich regenerativer Energien. Neben Genossenschaften gibt es vor allem Vereine, die sich in vielfältigen Formen mit der Nutzung regenerativer Energien beschäftigen. Diese Vielfalt sichtbar zu machen ist auch Teil des Projektes (Datenbank -Energieprojekte).

Um einen Beitrag zur global nachhaltigen Entwicklung zu gewährleisten, müssen Wege gefunden werden, das Konzept der Nachhaltigkeit auf allen gesellschaftlichen Ebenen umzusetzen. Nachhaltigkeit ist nicht allein durch das Investieren in neue Technologien zu gewährleisten, sondern erfordert den Einsatz verschiedenster Instrumente auf unterschiedlichen Ebenen. Lokale und bürgernahe Entwicklungsstrategien im Sinne einer Umsetzung "von unten nach oben" (bottom up) gelten als wichtige Elemente einer zukunftsfähigen Bewältigung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aufgaben. Netzwerken, als integrativen Organisationsformen kommen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, scheinen sie doch in der Lage den Vertrauensverlust, der sich bei vielen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber dem Staat feststellen lässt, zu überwinden. Doch was ist das Besondere an Netzwerken, welche Mechanismen wirken in ihnen, wie funktionieren sie?

Im ersten Schritt wurden die Netzwerke, die sich in der Region Trier befinden ausgewählt und kontaktiert. Mittels einer kurzen, telefonischen Befragung wurde festgestellt, ob sie in das Untersuchungskonzept passten und ob sie zu einer Befragung bereit waren. Der zweite Schritt sieht nun Leitfadeninterviews vor, bei denen es um Aufbau, Struktur und Funktionsweise der Netzwerke gehen wird. In einem zweiten Interview wird es dann um Fragen der regionalen Einbindung, regionale Wertschöpfungsprozesse und nachhaltige Entwicklung gehen.