Ü.02: Summerschool
Teilnehmer der fünften Trierer Summerschool

Die Summer School

Erfolgreich seit 2007

 

Seit 2007 findet die Trierer Summer School on Social Network Analysis jährlich statt. Auf dieser Seite können Sie die Berichte über die bisherigen Schools nachlesen.

 



2011

 „Wir sehen uns dann auf Facebook“

Vom erfolgreichen Abschluss einer Summer School

Ein Seminar „ohne richtige Schwächen“ – so sahen es viele Teilnehmer der diesjährigen Summer School on Social Network Analysis. Im September 2011 richtete der Forschungscluster der Universitäten Trier und Mainz „Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke“ die Methodenschulung zum fünften Mal aus. Pünktlich am Montag um neun Uhr empfing der Verantwortliche der Summer School, Prof. Dr. Michael Schönhuth (Universität Trier), die Doktoranden der Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie waren nach Trier gekommen, um sich in der inzwischen interdisziplinär angewandten Netzwerkanalyse ausbilden zu lassen. Allen gemeinsam war das Interesse an sozialen Strukturen, die uns alltäglich umgeben, aber auch Gegenstand historischen Interesses sein können. So saßen Migrationssoziologen neben Historikern, Wirtschafts- neben Erziehungswissenschaftlern, und auch der ein oder andere Geograph fand sich ein, denn hinter sozialen Netzwerken verbirgt sich mehr als das persönliche Kontaktmanagement auf virtuellen Plattformen wie Facebook, LinkedIn oder StudiVZ.

Hoher Besuch – der Gastvortrag

Wie Netzwerke zum Beispiel soziale Schließungsprozesse vorantreiben können und wie sich Familien und Schichten konstant in Raum und Zeit bewegen, beleuchtete der diesjährige Gastdozent Prof. John Padgett (University of Chicago) anschaulich am Beispiel der Florentiner Oberschicht zur Zeit der Renaissance. Ein nicht ganz einfacher Einstieg in ein Thema, das einigen der Teilnehmer am ersten Tag der School vielleicht noch neu und fremd war. Doch neben den Seminaristen folgte auch Universitätspräsident Prof. Michael Jäckel, der die Teilnehmer begrüßte und ihnen viel Erfolg für das Seminar wünschte, gespannt dem Vortrag. Dabei gab Padgett einen unterhaltsamen Einblick in seine naturwissenschaftlich angelegte Netzwerktheorie, die er mit Beispielen und Daten unterfüttert. Seit seinem wegweisenden Aufsatz „Robust Action and the Rise of the Medici“ von 1993 sammelt der Historiker und Politikwissenschaftler Daten: Über 10.000 Heiraten, 14.000 Geldleihen, 40.000 Steuerunterlagen und 12.000 Wahlangaben für politische Ämter hat der Professor für Politologie an der Universität Chicago bereits in seine Datenbank eingetragen. Auf dieser Grundlage modelliert Padgett die Evolution von multiplen, mehrdimensionalen sozialen Netzwerken über längere Zeiträume hinweg und kann ein detailliertes Bild des Florentiner Privat- und Geschäftsleben entwerfen.

Das Lehrangebot – dem Netzwerk auf der Spur

Im Verlauf der Summer School wurde dann auch vieles von dem, was Prof. Padgett vorstellte, verständlicher – nicht zuletzt dank eines engagierten Dozententeams, das in die Geheimnisse der Netzwerkanalyse einführte: die verschiedenen Arten von Beziehungen (uniplex oder multiplex), die Bedeutung von verschiedenen Maßzahlen (z.B. Pfadlängen und Homophiliewerte) oder die Unterscheidung von dichten und fragmentierten Netzwerken. Mit ihrer Hilfe können soziale Netzwerke detailliert beschrieben und analysiert werden, indem sie Antworten auf etwa folgende Fragen geben: Wie setzt sich ein Netzwerk überhaupt zusammen? Stellt es ein großes Ganzes dar oder zerfällt es in kleinere Cliquen? Wer sind die Haupthandlungsakteure und wo gibt es strukturelle Löcher?

Das Geheimnis des großen Erfolges der diesjährigen Summer School fußte dabei auf dem großen Engagement der Dozenten, die für die Trierer Veranstaltung gewonnen werden konnten: Dr. Markus Gamper (Universität Trier), Dr. Richard Heidler (Universität Bamberg) und Andreas Herz, M.A. vermittelten den Stoff anschaulich und strukturiert, während sie den Wissensdurst und auch die Bedürfnisse der Teilnehmer nicht aus dem Blick verloren – das Lob eines Teilnehmers: „Man wurde von der Begeisterung der Dozenten für ihr Forschungsgebiet mitgerissen. Ganz besonders toll war die umfassende, persönliche Forschungsberatung und dass die Dozenten jederzeit ein offenes Ohr für einen hatten.“

Forschungsberatung 101 – praxisnah und individuell

Auch die praktische Seite der Netzwerkanalyse wurde nicht außen vor gelassen. So stellten die Mitarbeiter des Forschungsclusters – Michael Kronenwett, M.A. und Tatjana Fenicia, M.A. – das in Trier entwickelte Softwaretool VennMaker (www.vennmaker.com) zur Erforschung egozentrierter Netzwerke vor. Sie führten nicht nur in die Nutzung des Programms ein, sondern zeigten auch Beispiele aus der Forschungspraxis.

Danbeben betreuten Andreas Herz, Richard Heidler und Markus Gamper die Teilnehmer individuell und loteten in den persönlichen Beratungsgesprächen die Potentiale des eigenen Forschungsdesigns aus. Besonders auf die Befähigung der Doktoranden, die während des Seminars angestoßenen Denkprozesse weiter zu verfolgen, wurde hierbei Wert gelegt. In diesem Sinne nutzte Richard Heidler in der Arbeitsgruppe „Gesamtnetzwerkanalyse“ etwa auch die für jeden zugänglichen Open-Source-Programme Pajek und Gephi. Ein Trend, der sich hierbei immer stärker bemerkbar machte und den die Dozenten begrüßten, ist die Arbeit mit „Mixed Methods“: Gerade den angehenden Sozial- und Geisteswissenschaftlern geht es nicht mehr darum, ihre einmal erhobenen Daten mit Hilfe von SPSS und Netzwerksoftware allein quantitativ auszuwerten. Die Ergebnisse werden zunehmend auch mit qualitativen Ergebnissen angereichert und anschaulich gemacht. So wird es Aufgabe der nächsten Fortbildungsangebote sein, diese Entwicklung stärker zu berücksichtigen und in das Lehrangebot zu integrieren.

Trotz oder gerade wegen des intensiven Inputs im Seminar bot die Summer School darüber hinaus genügend Raum, die eigenen Beziehungen auszubauen. Bei bestem Spätsommerwetter machte sich die Gruppe auf den Weg nach Tarforst, um sich bei einem gemeinschaftlichen Abendessen mit Wein und Viez im Weingut Gehlen näher kennenzulernen. Am Donnerstag bot die abendliche Stadtführung durch die Trierer Altstadt den kulturellen Gegenpol zum wissenschaftlichen Programm. Doch während dieser Freizeitaktivitäten kamen die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in ihren Gesprächen doch immer wieder auf das Gelernte zurück. So wurde schnell der Ruf nach einer eigenen Facebook-Gruppe laut, um über das Ende der Summer School hinaus weiterhin in Kontakt zu bleiben. Unter „Netzwerkanalyse Trier“ vernetzen sich seitdem „Ehemalige“ und weithin Interessierte im World Wide Web.

Letztlich zeigten sich am Abschlusstag der Summer School sowohl Teilnehmer als auch Dozenten hochzufrieden mit der gemeinsam erbrachten Leistung. Nachdem noch schnell ein Gruppenphoto zur Erinnerung geschossen wurde, wurde dem Team noch ein letzter Kommentar mit auf den Weg gegeben: „Ach ja und zu guter Letzt: perfekte Organisation!“

Weitere Informationen

 → www.summerschool.uni-trier.de

oder

→ Facebook-Gruppe "sna.summerschool"

Gastvortrag von Prof. John Padgett

 → http://www.podcampus.de/nodes/4148

 

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2010

Die Trierer Summer School 4.0

Doktoranden und Studenten lernen für die Netzwerkforschung - Ein Tagungsbericht

Plakat zur 4. Summer School

Mit der Trierer Summer School on Social Network Analysis lockte die durch den Forschungscluster „Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke“ organisierte Schulung zur Sozialen Netzwerkanalyse bereits zum vierten Mal Doktoranden und Studenten nach Trier. In seiner Begrüßungsrede an die 41 Teilnehmer würdigte der Sprecher des Forschungsclusters, Prof. Dr. Lukas Clemens, die bereits erprobten Traditionen des Fortbildungskurses, der vom 13. bis 18. September im Hörsaalzentrum des Campus II abgehalten wurde. So richten sich die Module sowie die individuelle Forschungsberatung zur Netzwerkanalyse auch dieses Mal vor allem an Einsteiger in die spannende und vielfältige Materie der Netzwerkanalyse.

Intensive Methodenschulung

Die Bedeutung der Netzwerkanalyse nahm in den letzten fünf Jahren besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu. Forscher nutzen die Methode, um unterschiedliche Akteure mitsamt ihren unterschiedlichen sozialen Beziehungen und Kontakten zu erforschen. Bei diesen Akteuren kann es sich etwa um einzelne Individuen, aber auch um Wirtschaftsunternehmen und Organisationen handeln. Die Summer School versteht sich damit als Angebot an junge Wissenschaftler, die vielfältigen Möglichkeiten der soziologischen Methode für ihr Forschungsdesign zu entdecken.

Die Grundlagen hierfür wurden in Modul 1 gegeben: Ein umfassender Überblick über die Theorien und Geschichte der Netzwerkanalyse legte das Fundament für die ersten Schritte in der Netzwerkforschung, die in Modul 2 erprobt wurde. Dabei hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in der praxisorientierten Einführung zwischen der Analyse von sogenannten Gesamt- und egozentrierte Netzwerken zu wählen. In beiden Arbeitsgruppen ging es darum, den in empirisch erhobenen Daten verborgenen Mustern sozialer Beziehungen auf die Spur zu kommen. Im anschließenden individuellen Beratungsgespräch nahmen die Teilnehmer darüber hinaus die Gelegenheit wahr, ihre Forschungsansätze auf Herz und Nieren prüfen zu lassen und sich Ratschläge bei den Experten zu holen. Die Trierer Summer School stellt somit das im deutschsprachigen Raum wohl umfassendste Fortbildungsangebot zur quantitativen und qualitativen Netzwerkanalyse dar.

Externe Experten und eigene Stärken

Zu den Experten zählte auch dieses Jahr wieder der Hamburger Professor für Ethnologie, Prof. Dr. Michael Schnegg. Seit der ersten Summer School im Jahr 2007 begleitet er die Teilnehmer als Dozent des zweitägigen Einführungsmoduls sowie der Arbeitsgruppe „Gesamtnetzwerke“. PD Dr. Marina Hennig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zeichnete dagegen zum ersten Mal für die Arbeitsgruppe „Egozentrierte Netzwerke“ verantwortlich. In ihrer Schulung ging es vor allem um den Entwurf eines eigenen Fragebogens, der dazu geeignet ist, die vielfältigen Beziehungen eines einzelnen Individuums zu erfassen. Dieser wurde unter den Teilnehmern der Summer School selbst erprobt und mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS ausgewertet – ein eher ungewohntes Forschungsinstrument, vor allem für die Absolventen etwa der Germanistik, Geschichts- und Religionswissenschaften, die nach Trier gekommen waren.

Doch auch die mehr qualitativ und damit an den ethnographischen und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen ausgerichtete „Hausmarke“ des Forschungsclusters wurde vorgestellt: Das Softwaretool VennMaker stand im Mittelpunkt des Workshops „Qualitative Netzwerkanalyse“, der durch das Team um den Trierer Ethnologieprofessor Prof. Dr. Michael Schönhuth angeboten wurde. Als sowohl für die Forscher als auch für die Probanden intuitiv zu bedienendes Programm wurde dieses Erhebungsinstrument von den Teilnehmern besonders nachgefragt.

Interdisziplinäre Atmosphäre

Teilnehmer der 4. Summer School 2010

Neben dem intensiven Input in den Modulen, bot die Summer School jedoch auch dieses Jahr wieder genügend Raum, auch das eigene „social networking“ unter den Teilnehmern zu betreiben. Ein gemeinschaftliches Abendessen bei Wein und Viez im Weingut Gehlen sorgte für die ersten Annäherungen, während die abendliche Stadtführung durch die Trierer Altstadt den kulturellen Gegenpol zum wissenschaftlichen Programm darstellte. Doch auch in ihrer Freizeit kamen die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in ihren Gesprächen doch immer wieder auf das Gelernte zurück. Viele profitierten dabei von der Interdisziplinarität der Gruppe, die den angeregten Austausch über die Methodik und die eigene Forschung beflügelte. Am Ende einer ertragreichen Woche zeigten sie sich nicht zuletzt von der guten Organisation und Betreuung der School beeindruckt. So konnte Vorstandsmitglied Dr. Markus Gamper schließlich ein zufriedenes Plenum mit dem Wunsch auf den Weg der Netzwerkforschung schicken, viele Anregungen und Ideen von der 4. Trierer Summer School on Social Network Analysis mit nach Hause zu nehmen.

 

Dozenten und Workshopleiter 2010

Modul 1/Modul 2: Gesamtnetzwerke

Modul 2: Egonetzwerke

Workshop "Qualitative Netzwerkanalyse"

 2. Methodenworkshop

Studentische Hilfskräfte

  • Britta Heiles
  • David Laudwein
  • Martina Morawietz

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2010

Programm des 2. Methodenworkshops für Dok­tor­an­den

17. September 2010

17:00

 

Ko­ope­ra­ti­ons­netz­wer­ke von Fach­leu­ten - Ein­bin­dung der Netz­werkana­ly­se in eine Stan­dar­di­sier­te Be­fra­gung

Ra­mo­na Thümm­ler (PH Lud­wigs­burg)

18:00

 

Kon­ti­nui­tät und Wan­del in der deut­schen Un­ter­neh­mens­ver­flech­tung: Vom Kai­ser­reich bis zum Na­tio­nal­so­zia­lis­mus (1914-1938)

Chris­ti­an Marx (Uni­ver­si­tät Trier)

 An­schlie­ßend ge­mein­sa­mes Abend­es­sen in der Trie­rer Alt­stadt

18. September 2010

09:30   „Ganz Eu­ro­pa in mei­nem Vor­zim­mer“ – So­zia­le Sys­te­me und ihre Be­deu­tung für die Eta­blie­rung einer eu­ro­päi­schen Frie­dens­ord­nung am Wie­ner Kon­gress 1814/15. Mög­lich­kei­ten, Gren­zen und me­tho­di­sche Her­aus­for­de­run­gen einer Netz­werkana­ly­seFlo­ri­an Kersch­bau­mer (Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt)
10:30   Netz­wer­ke in der De­mo­gra­phie­for­schung: Das Hei­rats- und Ab­stam­mungs­netz­werk des eu­ro­päi­schen Hoch­adels von 1600-1900Wilko Schrö­ter (Uni­ver­si­tät Wien)
11:30   Pause
12:00   Mul­ti­per­spek­ti­vi­sche Da­ten­mo­del­lie­rung in der SNAMicha­el Wohl­ge­muth (Uni­ver­si­tät Bie­le­feld)
13:00   Netz­werk­ma­nage­ment im Ost­go­ten­reichChris­ti­an Ni­tsch­ke (Uni­ver­si­tät Trier)
14:00   Ab­schluss­run­de und ge­mein­sa­mes Mit­ta­ges­sen in der Trie­rer Alt­stadt

 

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